Buchempfehlungen

Ernesto Cardenal

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Ihr Mädchen, die ihr eines Tages bewegt diese Verse lest
und von einem Dichter träumt,
sollt wissen, dass ich sie schrieb für eine wie ihr,
doch es war umsonst.

Ernesto Cardenal

Charles Bukowski



Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang

Was ist ?ber den guten alten BUK nicht schon alles gesagt und geschrieben worden?
Als ich damals anfing, Bukowski zu lesen, hatte ich den Tip von einem Freund bekommen. Wenn es mir echt schei?e geht, sagte er, schnappe ich mir meinen Bukowski und sauf mir dabei die Hucke zu. Danach geht's wieder.
Zugegeben, wenn ich saufe, kann ich nicht lesen. Aber dennoch hat dieser Tip mein Leseleben ver?ndert.

Nun zu diesem Gedichtband.
Es ist ein gro?es Gl?ck, da? u.a. der kongeniale ?bersetzter Carl Weissner etliche Texte von BUK ?bersetzt hat, da er BUK pers?nlich kannte. So beginnt dieser Band mit einem Bericht Weissners, ?ber sein erstes Treffen mit BUK. Der Bericht liest sich ?hnlich wie eine Bukowski-Story und gibt viele Einblicke in das Leben dieses ungew?hnlichen Underground-Autors, dem "Dirty Old Man".
Im Anhang finden sich einige Briefe, die BUK an Weissner schrieb (Originalskripte mit deutscher ?bersetzung im Anschlu?). Aber auch einige Bilder und Originalabdrucke von Bukowskigedichten sind im Anhang enthalten.

Die Gedichte selbst. Da stellt sich dann nat?rlich die Frage: Was ist ein Gedicht? Was macht ein Gedicht zu einem Gedicht? Viele werde sagen: Ein Gedicht reimt sich; hat einen Rhythmus; ist in Strophen aufgebaut ... etc. Unter diese Definitionen kann man die Gedichte Bukowskis eher nicht einordnen, zumindest nicht viele.
Die meisten seiner Gedichte sind eher Prosatexte in Gedichtform, wobei Gedichtform hier die rein ?u?erliche Gestaltung meint. Will sagen, die Texte unterscheiden sich von Prosa durch eine gewisse Art von Versform. Anders ausgedr?ckt, es werden Abs?tze gesetzt um die Verse als Verse auszuweisen. (Im Gegensatz zur Prosa).
Fragt man jedoch nach einem anderen "Sinn" von Gedichten, so kann man sagen: Gedichte sollen mit Sprache die Sprache "verdichten". Und genau dieser Aspekt zeichnet die Gedichte von Bukowski aus. Er verdichtet; bringt die Dinge auf den Punkt, ohne sich dabei hinter undurchdringlichen Metaphern zu verstecken.
Gegenst?nde dieser Gedichte sind der Prosa Bukowskis sehr ?hnlich. Es geht ums Ficken, Saufen, Pferderennen, Knast, Schl?gereien, Taugenichtse, Nutten, Sozialkritik, aber auch Philosophisches. Also eine breit gef?cherte Palette. Die Sprache ist heftig, derb aber treffend.
Auch wenn BUK stets um diese Themen kreist, es w?re zu einfach, ihn als saufenden, p?belnden, F?kaliensprache benutzenden "Schmutzfink" zu verdammen. Es besteht durchaus die Gefahr, da? man aufgrund der einfachen Sprache tiefere Bedeutungsebenen ?berliest. Um mit BUK's Worten zu sprechen:

"DER UNTERSCHIED
ZWISCHEN EINEM GUTEN DICHTER
UND EINEM SCHLECHTEN IST EINE PORTION GL?CK" (Titel eines Gedichtes dieses Bandes.)

Fazit:

Wer Bukowskis Prosa liebt, wird hier voll auf seine Kosten kommen und dabei vielleicht auch einen neuen Zugang zu Gedichten allgemein gewinnen. Ich kann diesen Band nur w?rmstens empfehlen. Die Berichte von Meissner machen das Buch dar?ber hinaus sehr lesenswert.

Doch lassen wir BUK noch einmal selbst zu Wort kommen:
"In all den Jahren, die ich in Schlachth?fen und Tankstellen, an Flie?b?ndern und in U-Bahn-Tunnels geschuftet habe, ist mein Vokabular auf einen letzten Rest zusammengeschrumpft, aber mit diesem Rest versuche ich rauszuh?mmern, was nur drin ist. Sonst bin ich blo? ein weiterer Selbstmord in einem verwanzten Loch oder in nem ausgebrannten Plymouth unten im Laurel Canyon oder im Meer oder auf nem Eisenbahngleis..."

? Ulrich P. Hinz

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